Briefwechsel

185.

Wien, 13. Oktober 1819.

Vermuthlich haben Sie die guten Nachrichten, die ich Ihnen meldete, bereits früher aus unmittelbarer Quelle erhalten; da indessen auch das Gegentheil möglich ist, so mögen Sie in diesem Falle durch mich erfahren, daß der Fürst alle Ihre Wünsche erfüllt und Ihnen nicht nur Accreditirung bei den Anhalt’schen Höfen, sondern auch eine Gehaltsvermehrung von 1000 fl. bei Sr. Majestät ausgewirkt hat. Sie können sich leicht vorstellen, mit welcher unendlichen Freude ich Ihnen dieses Resultat anzeige; für keine persönliche Begünstigung hätte ich dem Fürsten mit mehr Lebhaftigkeit und Wärme danken können.

Unsere Frankfurter Beschlüsse sind, wie es mir scheint, mit viel mehr Ruhe und Ergebung aufgenommen worden, als wir uns selbst vielleicht geschmeichelt haben. Es ist eine große Sache um einen wackern und mit Maß und Würde ausgeführten Entschluß! Ich bin überzeugt, daß Oesterreich im Ganzen (ich spreche nicht von den erklärten Feinden) in der öffentlichen Meinung viel durch diesen Schritt gewonnen hat. Ich glaube, Sie sollten eilen, liebster Freund, alles, was Sie über diesen Gegenstand (der, wie Sie leicht denken können, uns jetzt par excellence interessirt) erfahren und gesammelt haben, zusammenzufassen und einzusenden.

Leben Sie wohl und schreiben Sie mir recht bald.

Gentz.